Lindner Lintrac 130 mit mehr Leistung und Komfort

Lindner erweitert mit dem Lintrac 130 seine stufenlose Traktorbaureihe nach oben. Er hat einen neu entwickelten Motor, fährt 50 km/h schnell und bietet mehr Platz und Übersicht.

Ende Oktober feierte Lindner die Premiere des neuen Lintrac 130 am Tiroler Firmensitz in Kundl. Das Lintrac-Konzept ist seit der ersten Vorstellung im Jahr 2013 bis heute gleich geblieben: ein stufenloses ZF-Getriebe mit einfacher LDrive-Bedienung und 4-Rad-Lenkung.

Laut Hersteller werden über 80 % aller Lintracs mit Allradlenkung ausgeliefert. Sie reduziert den Wendekreisdurchmesser um etwa zwei Meter gegenüber der Hinterradlenkung und bietet vier verschiedene Lenkmodi: Gegenlenken, Hundegang, Mählenken und Manuell.

Überarbeitete Kabine mit verbesserter Rundumsicht und optimiertem Platzangebot. Quelle: Hersteller

Nachfolger für den Geotrac 124?

Der 136 PS starke Lintrac ist prädestiniert für Mähkombinationen und Press-Wickelkombinationen in der Profi-Grünlandwirtschaft, für größere Transportentfernungen sowie im Kommunaleinsatz für breitere Schneepflüge und größere Splittstreuer. Laut Hersteller ist er stärker, schneller und noch einfacher in der Bedienung geworden. Letzteres soll z.B. durch die neue aktive Stillstandsregelung, das größere Touch-Terminal „I.B.C.-Monitor Pro“ oder durch TracLink-Smart gelingen.

Aus der Sicht der Tiroler Traktorenbauer könnte er auch ein logischer Nachfolger für die Geotracs 114 und 124 sein. „Daher haben wir beim Lintrac 130 auf die Geräte-Kompatibilität zum 114er und 124er Geotrac geachtet. Das Hubwerk und die Zapfwellendrehzahlen sind darauf abgestimmt. Auch der Frontlader vom 124er-Geotrac passt auf den Lintrac 130. Ein Vorteil gegenüber dem Geotrac ist, dass wir jetzt alle Einsätze mit reduzierten Drehzahlen fahren können“, betont Technikchef Stefan Lindner. „Das gilt nicht nur für Zapfwellenarbeiten sondern auch für den Transport auf der Straße. Der 130er fährt mit rund 1.780 Motorumdrehungen 40 km/h und optional mit 1.970 U/min sogar 50 km/h schnell.“

Gewachsen für größere Aufgaben

Der Arbeitsplatz mit ausstellbarer Frontscheibe lässt sich mit einem Getränkehalter und einem Lederlenkrad aufwerten. Quelle: Hersteller

Der Lintrac 130 ist gegenüber dem 110er gewachsen. Er hat einen um 8 cm längeren Radstand und ist um 4 cm höher. Er kann aber auch um 500 kg mehr Last tragen: Das zulässige Gesamtgewicht hat Lindner auf bis zu 8.500 kg erhöht, die Vorderachslast auf bis zu 3.500 kg. Das Eigengewicht in Serienausstattung beziffern die Tiroler mit 4.520 kg.
Unter der Haube arbeitet der völlig neu entwickelte Perkins-Synchro-Motor. „Der Motorblock und die Ölwanne sind verstärkt. Sie haben eine neue schwingungs- und geräuschoptimierte Struktur“, betont Stefan Lindner. Das Triebwerk hat einen 3,6-Liter-Hubraum, leistet 100 kW/136 PS und erfüllt mit Dieseloxidationskatalysator, Dieselpartikelfilter und SCR-Technologie die Abgasstufe 5. Das maximale Drehmoment von 530 Nm erreicht er bei 1.500 Motorumdrehungen. Auf der linken Aufstiegsseite befinden sich der Diesel- sowie der AdBlue-Tank mit 120 bzw. 20 Litern Inhalt.

Der Auspuff ist von der linken Seite (so bei den beiden kleineren Brüdern) hinter die rechte A-Säule der Kabine gewandert und dort für den Fahrer kaum sichtbar. Auch die gesamte Abgasnachbehandlung haben die Ingenieure unter der Haube verstaut, sodass es keine Sichteinschränkungen für den Fahrer gibt.

Aktive Stillstandsregelung

Um den Lintrac anzuhalten, musste der Fahrer bisher mit dem Fuß auf die Bremse treten.

Größeres und übersichtlicheres Display mit Touch-Bedienung. Quelle: Hersteller

Sonst hat er sich wie ein Pkw mit Automatikgetriebe langsam in Bewegung gesetzt. Anders im 130er Lintrac, der einen aktiven Stillstand aufweist. So bleibt der große Lintrac jetzt in jedem Gelände stehen, ohne das Bremspedal zu betätigen. Zwar ist wie im 110er das stufenlose ZF-Getriebe TMT11 verbaut, es ist aber in einigen Punkten verstärkt und bietet (neben dem aktiven Stillstand) neue Funktionen. Daher nennen es die Tiroler nun TMT11.2. Anstelle der mechanischen Sicherheitssperre der beiden kleineren Lintracs hat Lindner beim großen Bruder eine elektrohydraulische Sicherheitssperre verbaut. Diese automatische Federspeicherbremse soll zusätzliche Sicherheit für unvorhersehbare Situationen in Hanglagen geben.

Die neue Getriebesoftware ermöglicht jetzt auch die von Kunden immer wieder gewünschte Streckbremsung. Bei einem erhöhten Zugkraftbedarf im Steilhang gibt es wie beim 110er den High-Traction-Modus. Zudem ist im Zwischenachsbereich auf beiden Seiten ausreichend Platz für Frontladerkonsolen oder Spezialaufbauten im Sonderkultureinsatz.

Mehr Komfort

Auch an der Kabine haben die Entwickler vieles verändert. Sie bietet eine verbesserte Rundumsicht, ein etwas größeres Platzangebot, eine veränderte Sitzposition und soll zudem leiser sein. Von außen fallen die größeren Spiegel und die neuen Blink- und Begrenzungsleuchten auf – alles in LED-Technologie.
In der Standardausführung ist die Kabine mechanisch gefedert.

Die Bedienarmlehne mit dem LDrive-Regler und Joystick hat neu eine größere und rutschfeste Armauflage. Quelle: Hersteller

In Kombination mit einer Druckluftanlage gibt es optional auch eine Luftfederung und in Kombination mit der 50 km/h-Ausführung eine gefederte Vorderachse.
Im Inneren der Kabine stechen das neue Armaturenbrett, der neue Sitz mit noch mehr Einstell-möglichkeiten und die neuen Materialien ins Auge. Das neue, wie ein Smartphone bedienbare Touch-Display namens I.B.C.-Monitor Pro ist größer und übersichtlicher geworden. Wichtige Informationen werden zentral im Display angezeigt, alle anderen Anzeigen sind nach außen gewandert.

Das Bedienkonzept mit dem LDrive-Regler in der Armlehne ist gleich geblieben. Die vergrößerte und neu geformte Armauflage fühlt sich angenehmer an. Sie ist wie der Beifahrersitz mit einer Antirutsch-Steppung versehen. Weiters heben auch die teilweise verkleideten Kabinenstege und in Metalloptik gehaltenen Verkleidungsteile die Wertigkeit der Kabine.

Trotz dieser vielen Aufwertungen soll die Preissteigerung für den Lintrac 130 laut Lindner moderat ausfallen. So beträgt der Listenpreis für die Basisausstattung knapp 108.000 Euro inkl. 20 % MwSt. Für einen voll ausgestatteten 130er mit 4-Rad-Lenkung, Vorderachs- und pneumatischer Kabinenfederung, vollwertigem Frontanbauraum, Druckluftanlage u.v.m. kann der Kaufpreis aber schnell auf über 150.000 Euro ansteigen. Pünktlich zu Beginn der nächsten Grünlandsaison sollen die ersten Lintrac 130 ausgeliefert werden.

Den kleinen Bruder vom Lintrac 130, den Lintrac 110, haben wir vor einigen Monaten in der Praxis getestet. Mehr über die Lintrac-Technik erfahren Sie in unserem Testbericht vom Lintrac 110 oder im Video Lindner Lintrac 110.

 

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